Nun also Teil Zwei der virtuellen Urlaubspost unserer SERBULTUR. BULgarien steht auf dem Programm. So gut wie im Schlaf glitt das Jo Quadrat in den neben Serbien aeltesten Balkanstaat. Da das dritte Bett unseres Abteils ungenutzt blieb, konnten wir ungestoert im Nachtzug bis zur Grenze ruckeln. Dort wurden wir dann um vier Uhr morgens etwas unsanft zuerst vom Schaffner, dann vom serbischen und schliesslich vom bulgarischen Zoellner geweckt. Vier Stunden ohrenverstoepselten Schlummers weiter waren wir dann in Sofia angelangt. Zur Taxifahrt durften wir dann wieder bei einem echten Friiiiiiend einsteigen. Der hatte einen ganz hervorragenden Preis, wusste dafuer aber nicht wohin er eigentlich fahren sollte. Eine unfreiwillige Stadtrundfahrt und halbe Stunde spaeter gelangten wir dann ins ohne Uebertreibung beste Hostel unserer Reisezeit. Da sich fuer den naechsten Tag bereits Jovankas Freundin Laura samt Ehemann George zur Stadtfuehrung angekuendigt hatten, entschied sich das Jo Quadrat zum Besuch des etwas ausserhalb, an einer sechsspurigen Strasse ohne Fussgaengerueberweg gelegenen Nationalmuseums. Das bulgarische Nationalmuseum ist in der ehemaligen Residenz der kommunistischen Landeselite untergebracht. Einem monumentalen wie klischeehaft sozialistschen Bau, der leider aus Sicht des Jo Quadrats schon die Hauptaktration des Museums war. Wohlbehalten zurueck ueber die sechsspurige, zebrafreie Strasse trafen wir Laura und George zum Abendkaffee. Die beiden waren zum Besuch von Georges Schwester schon Sonntagabend in der Stadt und so konnten wir durch schoene Ausschnitte von Sofias Altstadt zum amerikanischen Kaffeehaus flanieren.
Laura und George hatten sich dann den gesamten Montag fuer eine ausfuehrliche Stadtfuehrung Zeit genommen. George stammt aus Bulgarien und hat auch in Sofia studiert, weshalb er uns Geschichte und Alltag des Neo-EU-Mitglieds umfassend erklaeren konnte. Sofia selbst ist eine sehr schoene, wenn auch keine spektakulaere Stadt. Ihre breiten, durchgehend mit Bauemen begruenten Boulevards sowie die schmaleren Seitengassen erinnern an Berlin. Nur die grossen Wege der deutschen Hauptstadt bleiben einem erspart. Das historische Sofia ballt sich komfortabel im Zentrum der Stadt. Wir konnten den Tag ohne Muehe die zahlreichen Kirchen, Parks und Plaetze durchlaufen. Bevor wir am Mittwoch Laura und George in ihrer Heimat Kazanlak besuchen wollten, hatten wir noch zwei Ausfluege eingeplant. Der erste brachte uns ins Rila-Gebirge suedlich von Sofia. In diesen unbedingt bewandernswerten Bergen ist ein malerisches Kloster eingenistet. Beschaulich geht es in dem UNESCO-Kulturerbe im Sommer selten zu. Die malerischen Berge und der bunte Klosterhof locken mehr als einen Bus die kurvige Strassen hinauf.
Unser zweiter Stop auf dem Weg nach Kazanlak war Plovdiv. Bulgariens zweitgroesste Stadt ist auf und um drei Huegel gebaut. Auf einem der Huegel findet sich eine teilweise renovierte Bilderbuch-Altstadt mit dem unebensten Kopfsteinpflaster der Welt. Plovdiv lag einst auf einer wichtigen Handelsroute zwischen dem Balkan und Istanbul. Wohlhabende Haendler bauten sich im neunzehnten Jahrhundert ansehnliche Stadtvillen auf den Huegel. Heute darf man diese bunten in schoene Hoefe hineingesetzten Haeuser besichtigen und sich dabei ueber die unzaehligen Teestuben wundern. Nachts wuetet in Teilen Plovdiv der stichwuetige und auesserst unangenehme Bedbug (Bettwanze). Das Jo Quadrat schlief schlussendlich zu seinem Glueck jedoch im Zelt (Hostels muessen nicht immer Haeuser sein).
Nun auf nach Kazanlak, dem heissen Zentrum unserer Bulgarienreise. Dort wurden wir bereits von Laura und George erwartet und fuer die vier kommenden Tage aufs Beste gefuehrt, chauffiert und gefuettert. Die beiden hatten sich viel Zeit fuer uns genommen und mit ihrem Audi ein braves wie komfortables Reisevehikel zur Hand. Mit diesem haben wir dann allerlei Sehenswuerdigkeiten in und um Kazanlak besuchen koennen. Spektakulaer ging's los. Fuer alle die sich unsicher waren: Kommunisten sind nicht von dieser Welt!
Dieses sowjetische Eigenheim war das Hauptgebauede der kommunistischen Partei Bulgariens. Symboltraechtig auf eine Bergspitze des Balkangebirges aufgepfropft, wurde es ausschliesslich aus als "freiwillig" definierter Arbeit erbaut. Heute ist mangels Kommunismus nichts mehr im Gebaeude uebrig. Es broeckelt und rostet, einen Besuch ist es aber trotzdem Wert. Des weiteren besuchten wir in Kazanlaks Umgebung noch ein kleines historisches Doerfchen mit feinen Baeckereien und suessem Konfekt, einen historischen Schlachtplatz zwischen bulgarisch-russischen Truppen und den osmanischen Okkupanten, sowie Graeber aus dem lang-lang-her. In der bruetenden Hitze (40 Grad aufwaerts) Zentralbulgariens wagten wir uns dank klimatisiertem Audi auch noch hinauf nach Veliko Tarnovo, einer imposanten wie alten Festung und ehemaligen Hauptstadt des Bulgarischen Reiches.
Nach unserem Besuch bei Laura und George stand dann auch schon der letzte Halt unserer BUL-Tour auf dem Spielplan. Nach bewaehrtem Muster gehoeren die letzten Urlaubstage der Kueste. Etwas von diesem vermeintlichen Muster abweichend, haben wir diese letzten Urlaubstage schon vor unseren Istanbulbesuch eingezogen. Mit Sozopol haben wir dafuer einen kleinen, wohl aber explodierenden Badeort an der bulgarischen Schwarzmeerkueste ausgesucht. Die Altstadt Sozopols ist wunderschoen mit alten Holzhausern auf eine Halbinsel gebaut. Am Fuss dieser historischen Haeuser zieht sich ein kleiner Streifen Strand an dem so einige Sonnenschirme, Maisverkaeufer und die groessten den Hits der 80er und 90er (alle gleichzeitig aus mehreren Bars schallend) vorfindet. Unsere letzten Tage in Bulgarien streckten wir uns dort aus und bereiteten uns auf das tuerkische Finale der SERBULTUR vor.