Genauer gesagt lebt er in Antigua. Und vielleicht auch nur waehrend ein paar Tagen im Jahr, dafuer umso intensiver und auch gleich in mehrfacher Ausfuehrung. Die Semana Santa ist in Guatemala was ganz Besonderes, und im Speziellen in Antigua. Halb Guatemala versammelt sich in dieser Woche in dieser Stadt und diese verwandelt sich beinahe in ein grosses Openairfestival. Anstatt Musiksternchen geniesst aber Jesus die grosse Aufmerksamkeit. Gemeinsam mit Pontius Pilatus, am Kreuz und auf dem Sarg wird er in stundenlangen Prozessionen Tag und Nacht durch die Stadt getragen. Die Stimmung in Antigua waehrend dieser Tage ist unbeschreiblich. Ich war schwer beeindruckt, wie tief der Glaube der Guatemalteken ist. Am meisten beeindruckt hat mich der Beginn einer Prozession, welcher der aufgebahrte Jesus in der Kirche La Merced in Angriff nahm. Die ganze Kirche war bis auf das letzte freie Stehplaetzchen besetzt, beim Auszug Jesus' aus der Kirche haben alle gesungen und die Stimmung war so speziell, mystisch, dass ich ganz schoen Huehnerhaut bekam. Obwohl mir die Semana Santa meinen Reiseplaenen etwas in die Quere kam, bin ich sehr froh, diese Tage in Antigua verbracht zu haben. Wirklich ein sehr beeindruckendes Erlebnis. So, nun aber genug von Jesus! Ich wollte ja noch erzaehlen, was ich so alles auf dem Markt in Chichicastenango entdeckt habe. Nun, da muss ich euch leider enttaeuschen, weil es gab zwar schon viele Tuecher und Ketten und sonstige Souvenirs, aber so richtig gefallen hat mir dann doch nichts. Und so kam ich nicht mal zum Maerten :-(. Dafuer einen Tag darauf zum Wandern, und zwar gleich drei Tage lang.
Gemeinsam mit zwei Kanadierinnen und Alex, unserem Guia, sind wir von Xela zum Lago Atitlan gewandert. Nach der ersten leichten Steigung waren meine zwei Wandergenossinnen schon ziemlich ausser Atem und ich hatte schon die Befuerchtung, dass wir es nie zum Lago schaffen. Doch sobald es wieder ein bisschen geradeaus ging, waren die beiden auch wieder ein bisschen schneller. Die drei Tage waren wunderschoen, wir sind durch kleine Mayadoerfchen gewandert, haben praechtige Landschaften gesehen und die Kroenung folgte am letzten Tag mit einem fantastischen Sonnenaufgang ueber dem Lago Atitlan. Die Uebernachtungen waren nicht ganz so komfortabel, aber doch sehr witzig.
Die zweite Nacht haben wir auf unseren ausgeliehenen Yogamatten mitten im Schlafzimmer einer Mayafamilie geschlafen. Ich wuerde mich ja schon ein bisschen komisch fuehlen, wenn ploetzlich drei wildfremde Maedels ihre Matten in meinem Schlafzimmer ausbreiten wuerden... die Familie hat das gluecklicherweise nicht so sehr gestoert. Nach dieser Wanderung ging es zur Entspannung nochmals einen Tag an den See, bevor es zum wiederauferstandenen Jesus ging. Nach dem Jesus ging es zu den Mayas nach Copan in Honduras.
Diese Tempel haben mich nicht ganz so sehr beeindruckt und drum bin ich auch gleich weiter an den Rio Dulce gefahren, wo ich auf Catherine, eine Reisegefaehrtin von meiner letzten Reise in Thailand, gewartet habe. Die Wartezeit habe ich an einem heissen Wasserfall ueberbrueckt. Dummerweise bin ich hungrig aber ohne Essen zu diesem Wasserfall gefahren... wer mich kennt, weiss, dass das gar nicht gut ist! Aber gluecklicherweise haben sich drei guatemaltekische Jungs meiner erbarmt und mir Sandwiches angeboten und mich auch auf ihren Toeffli zurueck nach Rio Dulce genommen. Mit Catherine gings dann einen Tag darauf Richtung Belize und siehe da, die haben mich doch glatt reingelassen, obwohl Schweizer eigentlich ein Visum braeuchten. Dankedanke! Mit dem Bus sind wir an einen der schoenen Straende gefahren und haben auch gleich Bekanntschaft mit sehr komisch aussehenden Gestalten gemacht. Nach ein bisschen Recherche haben wir rausgefunden, dass dies Mennoniten waren, von denen anscheinend ziemlich viele in Belize wohnen. Uiui, ich glaube, die lange Abgeschiedenheit dieser Leute hat Spuren in deren DNA oder so hinterlassen...Nach ein paar Tagen am karibischen Meer haben sich unsere Wege wieder getrennt.
Ich bin mittlerweile schon wieder eine Weile zurueck in Guatemala. Vor ein paar Tagen habe ich mir Tikal, einen der Hoehepunkte der Mayazivilisation, angeschaut. Unglaublich, welches Wissen diese Jungs vor so vielen Jahren bereits hatten und in was fuer riesigen Staedten die lebten, die nun Jahrhunderte vom Urwald verdeckt waren. Spannend, vielleicht passiert sowas ja auch mal mit unseren Staedten und irgendwann kommen wieder irgendwelche Archaeologen, die versuchen, unsere Gesellschaft zu verstehen...

Nachdem ich mir die letzten Tage die beeindruckenden natuerlichen Kalkstein-Swimmingpools in Semuc Champey angeschaut habe, bin ich nun zurueck in Antigua und bereit fuer meine Rueckkehr in die Schweiz. Mein Spanisch ist mittlerweile wieder ganz akzeptabel und in einer Woche beginnt bereits der Ernst des Lebens... Tschautschau St.Gallen und Hallo Luzern! Wer also mehr Fotos oder Geschichten sehen/hoeren will, darf mich gerne besuchen kommen. Und fuer alle, die lieber auf den direkten Kontakt verzichten... weitere Reiseberichte des Jo Quadrats folgen bestimmt!




