Nachdem ich mittlerweile nicht mehr allein unterwegs bin, muss ich diese Zeilen auch nicht mehr ganz alleine fuellen. Johannes und ich haben schon viele Eindruecke in Indien gesammelt, besonders beeindruckt hat uns der indische Verkehr.... Viel Spass beim Lesen des ersten Gasteintrags.
Um Kosten zu sparen wird der indische Golf ohne Blinker verkauft. Statt dessen versieht Volkswagen sein Erfolgsmodell fuer den indischen Markt mit einer zweiten Hupe. Obwohl frei erfunden koennte diese Sparmassnahme in Indien durchaus Sinn machen. Nach Gaspedal und Lenkung ist die Hupe das drittwichtigste Instrument des Fahrercockpits, noch vor der Kupplung. Anders als etwa in Europa, wo die Hupe zur direkten Krisenintervention eingesetzt wird, nutzen rasende Inder den quietschenden Knopf wesentlich praeventiver. Nicht selten quaeckt es bereits direkt nach dem Umdrehen des Zuendschluessels, noch bevor das Vehikel den ersten Meter gerollt ist.
Ist der Inder dann einmal in Fahrt, haelt er sich ganz nach britischem Vorbild tendenziell links. Anders als die linksverkehrenden Englaender passt der flexible Inder seine Strassenseite jedoch stets und aeusserst kurzfristig der aktuellen Verkehrssituation an. Die Strassenbemalung hat wie auch die Ampel rein dekorative Funktion. Rot ist auch nur eine Farbe wie jede andere im bunten indischen Bazar. Ist auf der linken Spur kein Platz mehr, schert die Riksha scharf nach rechts hinaus zu einem Ueberholmanoever, das in Monaco den sofortigen Rennabbruch nach sich ziehen muesste. Der riesigen Karambolage entgeht der Inder nur dank einem gerade einmal faustgrossen Knopf: seiner Hupe.
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