Donnerstag, 17. Juli 2008

Hello, mei frrreeend!



So werden wir in Indien ganz oft begruesst und mittlerweile wissen wir die Namen all unserer indischen Freunde leider gar nicht mehr. Zum Glueck ist das auch nicht weiter tragisch, weil wir in jeder Stadt immer wieder ganz schnell neue Freunde finden - vorzugsweise Rikschafahrer. Die sind immer ganz nett, holen uns schon am Bahnsteig ab und wenn wir sie fragen, wieviel wir ihnen denn fuer die Fahrt bezahlen duerfen, meinen sie manchmal: "As you like". Nun, wie das unter Freunden halt so ist, gehen die Meinungen auch mal auseinander (bei unseren indischen Freunden ist das rein zahlenmaessig manchmal etwas gar viel, sodass wir unsere Freundschaft bleiben lassen).



Seit bald 3 Wochen sind wir nun schon in diesem Land der Gegensaetze unterwegs und werden jeden Tag auf's Neue ueberrascht. Und wie es Ueberraschungen so auf sich haben, sind manche angenehm und manche nicht so sehr. Gleich mal kalt abgeduscht wurden wir in Delhi (wobei wir an und fuer sich nichts gegen kalte Duschen im heissen Indien haben). Nachdem wir auf unserer Indienkarte unsere Reiseroute eingezeichnet haben, wollten wir die dazu noetigen Bahntickets kaufen. Nun, der Bahnhof war nur einige Gehminuten von unserem Hotel entfernt und deshalb wollten wir unsere zahlreichen Freunde (man erinnere sich: Rikschafahrer) nicht belaestigen. Das konnten sie nicht so ganz begreifen. Am Bahnhof angekommen, wollten wir unsere Tickets im eigens dafuer vorgesehenen Tourist Office kaufen, welches sich laut unserem Reisefuehrer im ersten Stock befindet. Mehrere unserer Freunde haben uns darauf hingewiesen, dass dieses nicht mehr dort sondern neu etwas entfernt sei - unmoeglich, zu Fuss zu erreichen! Nun denn, wir glaubten unseren Freunden und siehe da, es gibt wirklich ganz viele Tourist Offices in Delhi, die alle behaupten, "government approved" zu sein. Manche haben ihre Bueroraeumlichkeiten sogar extra in die erste Etage verlagert, damit wenigstens etwas mit den Reisefuehrern ueberein stimmt. Beim dritten Anlauf haben wir es aber geschafft und Leute, glaubt eurem besten Freund: das Tourist Office ist nach wie vor im ersten Stock des Bahnhofsgebaedes!


Mit den Tickets in der Tasche sind wir froehlich gen Sueden gezogen und haben uns als erstes gleich die groesste Sehenswuerdigkeit Indiens gegoennt: den Taj Mahal. Wirklich sehr beeindruckend. Neben dem Taj Mahal hat uns unser Freund K.K. auch noch an andere tolle Orte gefahren: kleinere Tempel und Gaerten, die etwas weniger touristisch waren. Selbstverstaendlich war auch noch eine Shopping Tour ("looking is free") im Programm enthalten.


Weiter ging unsere Reise in etwas weniger touristische Orte. In Gwalior haben wir sehr nette Studenten aus Bhopal kennen gelernt. Ein aelterer Herr, der sich eine einjaehrige Auszeit zum religioesen Dienst genommen hat, fuehrte uns durch einen Sikh Tempel. Er hat uns alles erklaert, und uns danach sogar zum Mittagessen in die Pilgerkueche eingeladen. In Orcha gab es praechtige Palaeste, und ein naechtlicher Hochzeitsumzug mit ohrenbetaeubender indischer Musik. Weiter gings nach Bundi, da gabs auch wieder ein Palast, der leider nicht mehr ganz so gut ausschaut. Wieder eine Hochzeit mitten in der Nacht, wieder laut, aber diesmal mit Elefant! In Puschkar sind wir dann wieder auf den Touristenstrom gestossen. Puschkar ist aber wirklich auch sehr huebsch. In der Mitte befindet sich ein kleiner See, von dem die Hindus glauben, dass er heilig sei und drum auch ganz gerne darin baden. Den vielen Aalen nach zu schliessen war das Wasser wohl okay, auch wenn die drei Weiheren dagegeen ausschauen wie ein Bergsee.


Geheiligt vom Wasser Puschkars haben wir uns nach Jaipur aufgemacht. Unsere Freunde haben uns gleich am Bahnhof abgeholt, uns zu einem wirklich fairen Preis zum Hotel gefahren, und uns auch eine sehr guenstige Sightseeing Tour fuer den folgenden Tag angeboten. Die beiden Jungs haben uns tatsaechlich zu allen Orten gefahren, an die wir wollten. Sogar ins etwas ausserhalb gelegene Amber Fort.


Der Anblick dieses Forts ist wirklich atemberaubend und wow, ist das gross. Wir haben den Ausgang fast nicht mehr gefunden. Auf dem Rueckweg haben uns Ali und sein Fruend noch zum Geburtstagsfest ihrer 7-jaehrigen Cousine eingeladen und obwohl wir anfangs etwas skeptisch waren, wollten wir uns dieses Fest nicht entgehen lassen. Wir haben ein kleines Geschenk gekauft, wurden puenktlich abgeholt und fuhren mit der Rikscha einige Meter, wo wir dann Rabin vorgestellt wurden. Mit dessen Auto (das erste, in dem wir in Indien gesessen sind) sind wir weiter gefahren. Hat sich dann rausgestellt, dass das Geburtstagskind gar nicht Alis Cousine ist, sondern die Nichte von Rabin. Rabin ist Juwelierhaendler, spricht ausgezeichnet Deutsch und wird von allen bewundert, weil er sieben Autos hat. Rabin hat auch ein grosses Haus mit einem ueberdimensional grossen Sofa und gleich zwei Kronleuchtern. Wir durften im "Raum fuer Freunde" Platz nehmen und nach einem kleinen Apperitiv unter Freunden wechselten wir wieder in den grossen Sofaraum, wo mittlerweile auch schon eine Geburtstagstorte stand. Alveera (das Geburtstagskind) kam rein, durfte die Kerzen ausblasen und ging dann auch gleich wieder. Dann war ich wieder alleine unter den Maennern, mit meinem Rock etwas angestrengt am Boden sitzend. Waehrend des Essens hat sich dann leider rausgestellt, dass die Einladung nicht so ganz ohne Hintergedanken war... Johannes und ich sollten Rabin helfen, seine Steinchen am Fiskus vorbei zu schmuggeln... Wollten wir nicht, hat aber sicher zwei Stunden gedauert, bis wir ihnen das klar machen konnten... Tja, Moral der Geschichte? Manche "Hello, mei frrreeeend" bedeuten frei uebersetzt: "Hallo, mein kleiner naiver Tourist, ich moechte ein bisschen Geld von dir, da du es mir nicht einfach so gibst, lass ich mir eben was einfallen... Lass dich ueberraschen!"

Noch ein paar Bilder:
Sikh Tempel in Gwalior

Verkaeufer in Puschkar

Vorschau: Kinder in der Wueste Thar (Gastbeitrag folgt)

Ebenfalls Vorschau: Kurzeit-Beduinen voller Sand.

2 Kommentare:

Unknown hat gesagt…

Coole Bilder, tolle Geschichten... Wünsche weiterhin noch viel Spass :-))

Unknown hat gesagt…

jovanka, du schreibst super, musste echt lachen. aber indien wird wohl nie meine lieblings destiantion werden! passt auf euch auf und bekommt keinen durchfall! ich will keine abgemagerten freunde, da fühl ich mich fett und das kann ich nicht akzeptieren. sorry. haha. von meinen blödsinnigen kommentaren bleibt ihr auch im fernen indien nicht verschont. hihiiiiii