Freitag, 31. Juli 2009

Von Kirchen, Wanzen, UFOs und Saharagefuehlen


Nun also Teil Zwei der virtuellen Urlaubspost unserer SERBULTUR. BULgarien steht auf dem Programm. So gut wie im Schlaf glitt das Jo Quadrat in den neben Serbien aeltesten Balkanstaat. Da das dritte Bett unseres Abteils ungenutzt blieb, konnten wir ungestoert im Nachtzug bis zur Grenze ruckeln. Dort wurden wir dann um vier Uhr morgens etwas unsanft zuerst vom Schaffner, dann vom serbischen und schliesslich vom bulgarischen Zoellner geweckt. Vier Stunden ohrenverstoepselten Schlummers weiter waren wir dann in Sofia angelangt. Zur Taxifahrt durften wir dann wieder bei einem echten Friiiiiiend einsteigen. Der hatte einen ganz hervorragenden Preis, wusste dafuer aber nicht wohin er eigentlich fahren sollte. Eine unfreiwillige Stadtrundfahrt und halbe Stunde spaeter gelangten wir dann ins ohne Uebertreibung beste Hostel unserer Reisezeit. Da sich fuer den naechsten Tag bereits Jovankas Freundin Laura samt Ehemann George zur Stadtfuehrung angekuendigt hatten, entschied sich das Jo Quadrat zum Besuch des etwas ausserhalb, an einer sechsspurigen Strasse ohne Fussgaengerueberweg gelegenen Nationalmuseums. Das bulgarische Nationalmuseum ist in der ehemaligen Residenz der kommunistischen Landeselite untergebracht. Einem monumentalen wie klischeehaft sozialistschen Bau, der leider aus Sicht des Jo Quadrats schon die Hauptaktration des Museums war. Wohlbehalten zurueck ueber die sechsspurige, zebrafreie Strasse trafen wir Laura und George zum Abendkaffee. Die beiden waren zum Besuch von Georges Schwester schon Sonntagabend in der Stadt und so konnten wir durch schoene Ausschnitte von Sofias Altstadt zum amerikanischen Kaffeehaus flanieren.


Laura und George hatten sich dann den gesamten Montag fuer eine ausfuehrliche Stadtfuehrung Zeit genommen. George stammt aus Bulgarien und hat auch in Sofia studiert, weshalb er uns Geschichte und Alltag des Neo-EU-Mitglieds umfassend erklaeren konnte. Sofia selbst ist eine sehr schoene, wenn auch keine spektakulaere Stadt. Ihre breiten, durchgehend mit Bauemen begruenten Boulevards sowie die schmaleren Seitengassen erinnern an Berlin. Nur die grossen Wege der deutschen Hauptstadt bleiben einem erspart. Das historische Sofia ballt sich komfortabel im Zentrum der Stadt. Wir konnten den Tag ohne Muehe die zahlreichen Kirchen, Parks und Plaetze durchlaufen. Bevor wir am Mittwoch Laura und George in ihrer Heimat Kazanlak besuchen wollten, hatten wir noch zwei Ausfluege eingeplant. Der erste brachte uns ins Rila-Gebirge suedlich von Sofia. In diesen unbedingt bewandernswerten Bergen ist ein malerisches Kloster eingenistet. Beschaulich geht es in dem UNESCO-Kulturerbe im Sommer selten zu. Die malerischen Berge und der bunte Klosterhof locken mehr als einen Bus die kurvige Strassen hinauf.


Unser zweiter Stop auf dem Weg nach Kazanlak war Plovdiv. Bulgariens zweitgroesste Stadt ist auf und um drei Huegel gebaut. Auf einem der Huegel findet sich eine teilweise renovierte Bilderbuch-Altstadt mit dem unebensten Kopfsteinpflaster der Welt. Plovdiv lag einst auf einer wichtigen Handelsroute zwischen dem Balkan und Istanbul. Wohlhabende Haendler bauten sich im neunzehnten Jahrhundert ansehnliche Stadtvillen auf den Huegel. Heute darf man diese bunten in schoene Hoefe hineingesetzten Haeuser besichtigen und sich dabei ueber die unzaehligen Teestuben wundern. Nachts wuetet in Teilen Plovdiv der stichwuetige und auesserst unangenehme Bedbug (Bettwanze). Das Jo Quadrat schlief schlussendlich zu seinem Glueck jedoch im Zelt (Hostels muessen nicht immer Haeuser sein).


Nun auf nach Kazanlak, dem heissen Zentrum unserer Bulgarienreise. Dort wurden wir bereits von Laura und George erwartet und fuer die vier kommenden Tage aufs Beste gefuehrt, chauffiert und gefuettert. Die beiden hatten sich viel Zeit fuer uns genommen und mit ihrem Audi ein braves wie komfortables Reisevehikel zur Hand. Mit diesem haben wir dann allerlei Sehenswuerdigkeiten in und um Kazanlak besuchen koennen. Spektakulaer ging's los. Fuer alle die sich unsicher waren: Kommunisten sind nicht von dieser Welt!


Dieses sowjetische Eigenheim war das Hauptgebauede der kommunistischen Partei Bulgariens. Symboltraechtig auf eine Bergspitze des Balkangebirges aufgepfropft, wurde es ausschliesslich aus als "freiwillig" definierter Arbeit erbaut. Heute ist mangels Kommunismus nichts mehr im Gebaeude uebrig. Es broeckelt und rostet, einen Besuch ist es aber trotzdem Wert. Des weiteren besuchten wir in Kazanlaks Umgebung noch ein kleines historisches Doerfchen mit feinen Baeckereien und suessem Konfekt, einen historischen Schlachtplatz zwischen bulgarisch-russischen Truppen und den osmanischen Okkupanten, sowie Graeber aus dem lang-lang-her. In der bruetenden Hitze (40 Grad aufwaerts) Zentralbulgariens wagten wir uns dank klimatisiertem Audi auch noch hinauf nach Veliko Tarnovo, einer imposanten wie alten Festung und ehemaligen Hauptstadt des Bulgarischen Reiches.


Nach unserem Besuch bei Laura und George stand dann auch schon der letzte Halt unserer BUL-Tour auf dem Spielplan. Nach bewaehrtem Muster gehoeren die letzten Urlaubstage der Kueste. Etwas von diesem vermeintlichen Muster abweichend, haben wir diese letzten Urlaubstage schon vor unseren Istanbulbesuch eingezogen. Mit Sozopol haben wir dafuer einen kleinen, wohl aber explodierenden Badeort an der bulgarischen Schwarzmeerkueste ausgesucht. Die Altstadt Sozopols ist wunderschoen mit alten Holzhausern auf eine Halbinsel gebaut. Am Fuss dieser historischen Haeuser zieht sich ein kleiner Streifen Strand an dem so einige Sonnenschirme, Maisverkaeufer und die groessten den Hits der 80er und 90er (alle gleichzeitig aus mehreren Bars schallend) vorfindet. Unsere letzten Tage in Bulgarien streckten wir uns dort aus und bereiteten uns auf das tuerkische Finale der SERBULTUR vor.

Dienstag, 14. Juli 2009

Fleisch, Fleisch, Fleisch... und Glace.



Viele nette Leute, viel Gruen, Donau und Cocker Spaniels. Das gibt es in Serbien. Und das Jo Quadrat lernt fleissig kyrillisch zu lesen und fragt sich, wie die Serben es schaffen, bei all dem Essen nicht kugelrund zu werden. Wir kugeln uns bestimmt durch Bulgarien und Istanbul.

Doch bevor es so weit ist, schauen wir uns noch ein bisschen mehr in Serbien um. Gesehen haben wir bereits unglaublich viele Briten am Exit Festival in Novi Sad, eine Stadt noerdlich von Belgrad. Das Exit Festival feierte dieses Jahr seinen 10. Geburtstag. Seine Geburtsstunde hatte es als Protestaktion gegen Milosevic, 100 Tage haben die Leute in der Burg von Novi Sad ausgeharrt, bis Herr Milosevic endlich abtrat.





Von dieser urspruenglichen Atmosphaere haben wir nicht mehr viel gespuert. Was nicht heissen will, dass das Exit Festival keine Atmosphaere hat. Ganz und gar nicht, die versteckten Konzertbuehnen mit vielen kuriosen Kuenstlern in allen moeglichen Winkeln der Burg sind sehr speziell. Der Platz vor der Hauptbuehne beim Auftritt von internationalen Sternchen platzte allerdings aus allen Naehten, sodass ich mich bei "Prodigy" gar nicht erst in die Menge traute.

Tagsueber liessen wir es uns nicht entgehen, die Gegend um Novi Sad ein bisschen zu erkunden. Ich konnte Johannes sogar (wieder einmal :-) fuer einen Drahtesel begeistern, mit dem wir ein bisschen durch die Huegel der Fruska Gora und der Donau entlang kurvten.




Nach drei Tagen Exit ging es mit dem Zug weiter nach Belgrad. Ganz unbeschwert trottete das Jo Quadrat zum Bahnhof, nichts ahnend, dass das wohl auch ca. 1000 andere Exit Besucher tun koennten... mit dem Resultat, dass der Bahnhof von Novi Sad ein bisschen ueberquoll und es ueber eine halbe Stunde dauerte, bis alle Leute inkl. dem Jo Quadrat in dem kleinen Zug "verstaut" waren.





Wir hatten dabei noch mehr oder weniger Glueck, gleich bei der Tuer fanden wir ein bisschen freien Boden, auf den wir unsere Rucksaecke hinstellen und drauf sitzen konnten. Gleich bei der Tuer waren wir zudem verantwortlich fuer die Regulierung der "Klimaanlage" - sprich: Tuer auf, Tuer zu!

Belgrad - eine faszinierende Stadt! Eine Stadt, die wirklich nie zu schlafen scheint und die Menschen staendig irgendwohin flanieren. Und viel Fleisch essen und noch viel mehr Glace schlecken. Auf unserer Besichtigungstour war neben der Zitadelle, der Altstadt und der praechtigen orthodoxen Kirche auch das Grabmal Titos.




Da wurde mir gluecklicherweise mein mulmiges Gefuehl, das mich in Serbien jedes Mal beim Aussprechen meines Namens ueberkam, von zwei jungen Slowenen genommen. Die Frau von Tito hiess Jovanka... gluecklicherweise gehoerte Tito wohl zu den besseren aller Diktatoren. Die jungen slowenischen Herren konnten mich ohne boese Assoziationen begruessen und mir ihre Wahrnehmung Titos erklaeren.

Mit diesem Wissen reiste es sich gleich viel leichter in Serbien. Nach laengerem hin und her ueberlegen entschied sich das Jo Quadrat fuer die Variante A: Serbien mit Mitauto erkunden.




Ha, und was fuer ein Mietauto! Ein original Yugo Koral 1.1! Knallrot! Ohne Servolenkung natuerlich und Klimaanlage ist was fuer Schwache! Mit der kleinen roten Buechse gings gen Sueden. Erster Halt war Topola. Da befindet sich die Familiengruft der serbischen Koenigsfamilie in der Krypta einer Kirche, die ihresgleichen sucht. Millionen von Mosaiksteinen erzaehlen die Leidensgeschichte Jesu.



Nach so vielen Mosaiksteinchen brummten unsere Maegen ein bisschen und nach einigem Nachfragen bei der lokalen Bevoelkerung (das serbische Wort fuer Essen "Rucak" und mit dem Finger auf unsere Baeuche zeigend) bekamen wir mehrfach dasselbe Restaurant genannt. Nun gut, also dahin. Nur leider kriegen wir nur eine serbische, mit kyrillischer Schrift geschriebene Karte... aber Gulasch, das verstehen wir - das nehmen wir. Hmmm, und das war fein. Yammieyammie! Gestaerkt ging es wieder in unsere kleine, wirklich heisse Buechse weiter gen Sueden, nach Mokra Gora, von wo aus wir am folgenden Tag per Autostopp (diese Geschichte folgt muendlich) die Bruecke ueber die Drina in Visegrad besichtigten, einen etwas grossen Abstecher nach Bajna Basta unternahmen, um schliesslich unser Nachtlager in Novi Pazar aufzuschlagen. Tja, und dann gings auch schon wieder zurueck nach Belgrad, von wo wir mit dem Nachtzug nach Sofia fuhren.

Und wie ihr sicherlich bereits bemerkt habt, aendert sich an meiner Bloggerei so ziemlich gar nichts... immer im Verzug. Von unseren Erlebnissen in Bulgarien erzaehlt euch schon bald die andere Haelfte des Jo Quadrats.

Montag, 20. April 2009

Jesus vive en Guatemala!


Genauer gesagt lebt er in Antigua. Und vielleicht auch nur waehrend ein paar Tagen im Jahr, dafuer umso intensiver und auch gleich in mehrfacher Ausfuehrung. Die Semana Santa ist in Guatemala was ganz Besonderes, und im Speziellen in Antigua. Halb Guatemala versammelt sich in dieser Woche in dieser Stadt und diese verwandelt sich beinahe in ein grosses Openairfestival. Anstatt Musiksternchen geniesst aber Jesus die grosse Aufmerksamkeit. Gemeinsam mit Pontius Pilatus, am Kreuz und auf dem Sarg wird er in stundenlangen Prozessionen Tag und Nacht durch die Stadt getragen. Die Stimmung in Antigua waehrend dieser Tage ist unbeschreiblich. Ich war schwer beeindruckt, wie tief der Glaube der Guatemalteken ist. Am meisten beeindruckt hat mich der Beginn einer Prozession, welcher der aufgebahrte Jesus in der Kirche La Merced in Angriff nahm. Die ganze Kirche war bis auf das letzte freie Stehplaetzchen besetzt, beim Auszug Jesus' aus der Kirche haben alle gesungen und die Stimmung war so speziell, mystisch, dass ich ganz schoen Huehnerhaut bekam. Obwohl mir die Semana Santa meinen Reiseplaenen etwas in die Quere kam, bin ich sehr froh, diese Tage in Antigua verbracht zu haben. Wirklich ein sehr beeindruckendes Erlebnis. So, nun aber genug von Jesus! Ich wollte ja noch erzaehlen, was ich so alles auf dem Markt in Chichicastenango entdeckt habe. Nun, da muss ich euch leider enttaeuschen, weil es gab zwar schon viele Tuecher und Ketten und sonstige Souvenirs, aber so richtig gefallen hat mir dann doch nichts. Und so kam ich nicht mal zum Maerten :-(. Dafuer einen Tag darauf zum Wandern, und zwar gleich drei Tage lang.


Gemeinsam mit zwei Kanadierinnen und Alex, unserem Guia, sind wir von Xela zum Lago Atitlan gewandert. Nach der ersten leichten Steigung waren meine zwei Wandergenossinnen schon ziemlich ausser Atem und ich hatte schon die Befuerchtung, dass wir es nie zum Lago schaffen. Doch sobald es wieder ein bisschen geradeaus ging, waren die beiden auch wieder ein bisschen schneller. Die drei Tage waren wunderschoen, wir sind durch kleine Mayadoerfchen gewandert, haben praechtige Landschaften gesehen und die Kroenung folgte am letzten Tag mit einem fantastischen Sonnenaufgang ueber dem Lago Atitlan. Die Uebernachtungen waren nicht ganz so komfortabel, aber doch sehr witzig.


Die zweite Nacht haben wir auf unseren ausgeliehenen Yogamatten mitten im Schlafzimmer einer Mayafamilie geschlafen. Ich wuerde mich ja schon ein bisschen komisch fuehlen, wenn ploetzlich drei wildfremde Maedels ihre Matten in meinem Schlafzimmer ausbreiten wuerden... die Familie hat das gluecklicherweise nicht so sehr gestoert. Nach dieser Wanderung ging es zur Entspannung nochmals einen Tag an den See, bevor es zum wiederauferstandenen Jesus ging. Nach dem Jesus ging es zu den Mayas nach Copan in Honduras.
Diese Tempel haben mich nicht ganz so sehr beeindruckt und drum bin ich auch gleich weiter an den Rio Dulce gefahren, wo ich auf Catherine, eine Reisegefaehrtin von meiner letzten Reise in Thailand, gewartet habe. Die Wartezeit habe ich an einem heissen Wasserfall ueberbrueckt. Dummerweise bin ich hungrig aber ohne Essen zu diesem Wasserfall gefahren... wer mich kennt, weiss, dass das gar nicht gut ist! Aber gluecklicherweise haben sich drei guatemaltekische Jungs meiner erbarmt und mir Sandwiches angeboten und mich auch auf ihren Toeffli zurueck nach Rio Dulce genommen. Mit Catherine gings dann einen Tag darauf Richtung Belize und siehe da, die haben mich doch glatt reingelassen, obwohl Schweizer eigentlich ein Visum braeuchten. Dankedanke! Mit dem Bus sind wir an einen der schoenen Straende gefahren und haben auch gleich Bekanntschaft mit sehr komisch aussehenden Gestalten gemacht. Nach ein bisschen Recherche haben wir rausgefunden, dass dies Mennoniten waren, von denen anscheinend ziemlich viele in Belize wohnen. Uiui, ich glaube, die lange Abgeschiedenheit dieser Leute hat Spuren in deren DNA oder so hinterlassen...Nach ein paar Tagen am karibischen Meer haben sich unsere Wege wieder getrennt.
Ich bin mittlerweile schon wieder eine Weile zurueck in Guatemala. Vor ein paar Tagen habe ich mir Tikal, einen der Hoehepunkte der Mayazivilisation, angeschaut. Unglaublich, welches Wissen diese Jungs vor so vielen Jahren bereits hatten und in was fuer riesigen Staedten die lebten, die nun Jahrhunderte vom Urwald verdeckt waren. Spannend, vielleicht passiert sowas ja auch mal mit unseren Staedten und irgendwann kommen wieder irgendwelche Archaeologen, die versuchen, unsere Gesellschaft zu verstehen...


Nachdem ich mir die letzten Tage die beeindruckenden natuerlichen Kalkstein-Swimmingpools in Semuc Champey angeschaut habe, bin ich nun zurueck in Antigua und bereit fuer meine Rueckkehr in die Schweiz. Mein Spanisch ist mittlerweile wieder ganz akzeptabel und in einer Woche beginnt bereits der Ernst des Lebens... Tschautschau St.Gallen und Hallo Luzern! Wer also mehr Fotos oder Geschichten sehen/hoeren will, darf mich gerne besuchen kommen. Und fuer alle, die lieber auf den direkten Kontakt verzichten... weitere Reiseberichte des Jo Quadrats folgen bestimmt!

Freitag, 3. April 2009

Gringo, gringo, gringa, gringo...Guatemaltekos?


Es scheint fast so, als waeren alle Amerikaner nach Guatemala ausgewandert und keiner weiss mehr, wo denn die Guatemalteken geblieben sind. So kommt es mir zumindest vor. Seit einer Woche bin ich nun in diesem schoenen Land unterwegs und treffe fast ausschliesslich auf Auslaender. Hotels werden von Amerikanern gefuehrt, und bedient wird man von Gringos, die einige Wochen irgendwo fuer Kost und Logis arbeiten...





Aber vielleicht erst mal noch eine Einleitung, fuer all jene, die gar nicht wissen, dass ich schon wieder auf Reise bin. Wie fast alle Reisen hat auch diese im Flugzeug angefangen. Meine erste Zwischenlandung hatte ich bereits in London, wo mich ein Typ (fuer alle Freeride-Interessierten: der Typ war JT Holmes) fragte, wie er wohl seinen Leatherman durch die naechste Sicherheitskontrolle bringen soll... die Zuercher haben es nicht gecheckt, dass dies definitiv nicht ins Flugzeug darf... Die Londoner schon. Der Flug ueber den grossen Teich ins Cowboyland verlief sehr ruhig, wobei Attentat Airlines also wirklich eine bessere Auswahl an Filmen bieten koennte! Die dritte und letzte Etappe war wiederum sehr interessant. Ich habe noch nie so viele und so grosse Handgepaeckstuecke gesehen. Wir hatten auch prompt Verspaetung, weil das ganze Handgepaeck einfach nicht so schnell verstaut werden konnte. Ueber dem Golf von Mexiko verloren wir staendig an Hoehe, meine Knie zitterten und der Pilot erklaerte, dass es oben zu windig sei und wir deshalb ein bisschen tiefer fliegen wuerden. Ach, und uebrigens, das Flugzeug sei auch ein bisschen ueberladen... Danke, Attentat Airlines, ich freue mich schon auf den Rueckflug!





Aber erst bin ich zum Glueck noch ein bisschen hier in Guatemala. Angefangen habe ich meine Reise in Antigua, eine sehr nette Stadt und wohl die sauberste, die ich bis jetzt in Lateinamerika gesehen habe. Fast ein bisschen unwirklich. Da ich fuer die Osterwoche wieder nach Antigua zurueck gehe, bin ich gleich weiter zum Lago Atitlan. Wunderschoen ist dieser umgeben von Vulkanen und erinnert irgendwie ein bisschen an Lago di Lugano. Nur wohnen hier ganz viele Hippies, die glauben, dass dieser See eine ganz spezielle Energie hat und sie dadurch leichter erleuchtet werden. Nun, da ich schon hier bin, wollte ich dies mit der Erleuchtung natuerlich auch versuchen und bin ins groesste Hippiedoerfchen gefahren. Und da bin ich nun und versuche, die ganze Energie zu spueren. Bis jetzt spuere ich aber vor allem, dass es hier viele schraege Menschen hat, die tagsueber ein wenig Yoga machen und meditieren und abends viel Wein und Gras und sonstiges konsumieren.







Und so fahre ich nun unerleuchtet weiter nach Chichicastenango, ein kleines Doerfchen mit grossem Markt am Sonntag. Jupiee, ich freue mich schon auf's Maerten. Bis bald!




Tja, und leider bin ich mit meinem Blog schon wieder etwas im Verzug. Was ich so alles auf dem Markt gefunden habe, erzaehle ich euch ein ander Mal.

Freitag, 12. September 2008

Der Kilimanjaro - Kein Schoggigipfeli

Wenn man vom Kilimanjaro erzaehlt, kann man eigentlich fast nur ueber den Tag der Besteigung reden. Es war der Tag 4 unseres Aufstiegs, nur 90 Stunden nach dem ersten Schritt fanden wir uns 4.000 Meter weiter oben und am hoechsten Punkt Afrikas.


Der Aufstieg begann ruhig und unspektakulaer. Nach den ueppig gruenen Flanken des Mt. Meru gab es am Fusse des Kilimanjaro zunaechst ein wenig Wald und kurz nach der ersten Rast nur noch Gestruepp. Eine orange-braune Mondlandschaft war es, in der wir die meisten unserer Tage auf dem Mt. Kilimanjaro verbrachten. Aufgebrochen waren wir in grosser Gesellschaft: neben dem Bergfuehrer kamen ein Koch und gleich sechs Traeger mit uns hinauf. Die grosse Traegerschar lag weniger an Jovankas abwechslungsreicher Garderobe als an dem ganzen Essen, den Zelten und was wir sonst noch alles in der Woche am Berg benoetigen wuerden.


Jovanka und Johannes hatten sich fuer einen vergleichsweise gemuetlichen Aufstieg in sieben Tagen ueber die Rongai-Route entschieden. Manch eiliger Tourist rennt dieselbe Strecke in fuenf Tagen auf und ab. Geschichten von abgebrochenen Aufstiegen und erbrochenem Essen liessen uns jedoch einen Gang runter schalten. Fast einen Gang zu weit, denn im nachhinein haetten es sechs Tage als passende Laenge auch getan. So hatten wir neben einem vergleichweise gemuetlichen Abstieg auch einen Ruhetag zur Akklimatisierung auf dem Weg nach oben.


Obwohl wir im Vergleich zum Meru nur kuerzere Strecken liefen, vergingen die ersten drei Tage unseres Marsches wie im Flug. Morgens ging's mit dem Sonnenausgang in den Busch, nach kurzer Katzenwaesche und grosszuegigem Fruehstueck dann zwei, drei Stunden mit leichtem Gepaeck mehr oder weniger steil hinauf. In der ersten Nacht schliefen wir schon auf 2.500 Metern, dann zwei Naechte auf 3.800 und schliesslich noch sowas wie eine halbe Nacht auf 4.500 Metern. Zur Bergspitze fehlen nach Adam Riese also noch gut 1.200 Meter - und die kommen jetzt.


Zur Geisterstunde geht's fuer die meisten los. Nicht fuer uns, denn wir gelten als fit und manch eine in der Expedition Jo-Quadrat hat den Schlafsack viel zu gern, um schon um Mitternacht aus ihm heraus zu schluepfen. Also machen wir eins, naja halb zwei - ok. Noch bevor wir mit halboffenen Augen einen Schritt Richtung Berg machen koennen, schimpft unser Harte.schale.weicher.kern-Bergfuehrer Julius mit uns. Unsere Hosen seien eine Frechheit, damit komme man nie nach oben, hoechstens auf Eiszapfen. Schon im Zelt konnten wir unseren Atem sehen, draussen ist es noch kaelter und wir glauben ihm gern. Zwei der zuruckbleibenden Traeger geben uns ihre Skihosen und los geht's. Erste Station: Gilman's Point (5.681m).


Nach zehn Minuten warm laufen stehen wir vor einer 1.000 Meter hohen und wahrscheinlich nicht viel laengeren Kieswand. Von unten koennen wir schon die zahlreichen Lichter der Vorausgeeilten sehen. Obwohl wir uns sonst sehr ueber Gluehwuermchen freuen, sind wir beide im Moment nicht sonderlich gut gelaunt und Jovanka bittet Johannes (zum zweiten Mal), sie in Zukunft von solchen Ideen abzubringen. Aber was rauf muss, muss rauf und so gehen die beiden Kadetten mit ihrer Bergziege von Fuehrer langsam nach oben. Ein Schritt vor, Kies, krrrrtscht - ein halber Schritt zurueck; ein Schritt vor, Kies, krrrrtscht usw. Insgesamt brauchen wir knapp 4.5 Stunden um diese Wand hinter uns zu lassen. Neben dem Boden macht der aufkommende Wind uns sehr zu schaffen. Stehen bleiben geht nicht mehr bei gefuehlten minus 20 Grad und ohne jeden Windschatten. Die uebrigen Bergsteigerleins machen den Aufstieg auch nicht heiterer: Bald sind wir auf langsamere Gruppen aufgelaufen, wir sehen erste Abbrecher, manche frieren und machen die wildesten Verrenkungen um warm zu werden, jemand erbricht sich, eine weint. Als Julius uns stolz zur Halbzeit gratuliert, verlieren Jovanka und Johannes fast ganz den Mut. Das soll erst die Haelfte gewesen sein? Aber Julius kennt nur Schmerz, allein wegen der Motivation laesst er hier niemanden runter, sagt er. Solange wir noch so fit drein schauen, sieht er ueberhaupt keinen Grund abzusteigen. Das schaffen wir. Und tatsaechlich:


Kurz vor Morgengrauen (das Foto ist vom Abstieg) sind wir am Gilman's Point. So froh, man kann es nicht beschreiben. Das war das Haerteste und doch etwas vom Besten, was uns je passiert ist. Fuer beide war's ein staendiger Kampf: Kopf ("Der Schlafsack waer ja so schoen warm ...") gegen Kopf ("Aber du bist doch fit.") gegen Beine ("Aber uns ist kaaaaaalt!") - und Julius eben.


Vom Gilman's Point ging es dann relativ flach weiter. Allerdings setzte der Wind nun richtig ein und wie es der Teufel so will, ziehen Wolken auf. Auf einem Grat geht es bei Nebel und Eiseskaelte weiter. Die ersten Erfolgreichen kommen einem entgegen und sprechen einem Mut zu. "Nur noch 15 Minuten" sagen sie und schauen drein, als wuessten sie nicht, ob das fuer uns nun eine Freuden- oder eine Hiobsbotschaft ist. Johannes wird die letzten Meter wegen der Hoehe immer langsamer. Am Schluss kommt er, obwohl er sich fit fuehlt, mit ungefaehr einem Meter in der Minute voran. Aber oben ist oben und wir sind oben: 7:16 Uhr Ortszeit, ha!


Hinunter geht's dann schnell. Trotz Wind und Wetter, aber vor allem wegen der steilen Kieswand, die man nun kerzengrad hinunter jagen kann, sind wir gerade mal zwei Stunden nach dem Gipfel wieder im Zelt. Dank des relativ laxen Abstiegs koennen wir uns bis in den fruehen Nachmittag ausschlafen und tun das auch tief und fest. Der Weg hinab fuehrt uns ueber die Marangu-Route. Es ist die beliebteste Touristenroute, die sog. Coca Cola-Route, auf den Kilimanjaro. Die Wege sind lang, aber unglaublich flach. Bald geht es in den Wald hinein und man fuehlt sich ob der gut gepflegten Wege wie in einem regelrechten Park. Die Raststationen haben fliessend Wasser und sogar kleine Lodges. Aber selbst die feinste Lodge hat keinen solchen Fruehstueckstisch:


Die beiden Tage Abstieg sind angenehm und bringen den schliesslich doch uebersaeuerten Muskeln willkommenen Auslauf. Genug Zeit fuer kuenstlerische Bauaktivitaeten haben wir auch.


Am Freitag sind wir frueh zurueck am Parkeingang. Der Fahrer (im Nebenberuf wohl Henker) bringt uns blitzschnell zurueck nach Arusha. Dort die ersehnte warme Dusche und ein weiterer Ruhetag. Ab mit dem Bus nach Dar es Salaam, denn man will ja noch nach Sansibar.

Mittwoch, 3. September 2008

Mehr Safaribildle



Drei grosse und ein kleiner Dickhaeuter
ein Baobab

Ja, da ist ein Loewe.

Ein Baum wie eine Wolke.

Zebras am Wasser.

Hippos im Wasser.

...

... und Gruesse aus Sansibar!

Samstag, 30. August 2008

In Tansania gibt's keine Pandabaeren! Und auch keine Dinosaurier :-(


Weder in den Nationalparks noch in den Bergen. Dafuer gibt es Schnee. Jawohl! Man glaubt es kaum. Da ist man mitten in Afrika und friert sich fast die Finger ab, und die Nase gleich dazu. Aber erst mal von vorne... oder vielleicht von oben...

Wir schreiben den 26. August (ups, Haeppi Boersdei Karin!), es ist 7.16 Uhr fruehmorgens, da steht das Jo Quadrat bereits auf 5895 Metern ueber Meer auf dem hoechsten Gipfel Afrikas. Viel interessanter sind aber wohl die Stunden und Tage davor. Also doch von vorne, oder unten - wie ihr wollt.

Bevor wir uns an den maechtig grossen Kilimanjaro gewagt haben, akklimatisierten wir uns auf Safari und auf dem vergleichsweise herzigen Mount Meru ("nur" 4560 Meter). Und endlich, endlich, nachdem sich vor 2 Jahren die suedafrikanischen Loewen vor mir versteckt hatten, sind die tansanischen Brueder zum Glueck etwas mutiger. Ein bisschen Angst hatten sie zwar vor Johannes, sonst waeren sie wohl schon etwas naeher an unseren Jeep gekommen. Dafuer konnten wir Elefanten, Giraffen, Zebras und Pumbas fast streicheln. Eine riesengrosse Elefantenfamilie mit vielen suessen Elefantenbabies (die ich alle mitgenommen haette, wenn Johannes nicht so viel dagegen gehabt haette) ueberquerte grad vor unserem Jeep die Strasse, und Zebras gab es zuhauf. Aber eben, keine Pandabaeren, und auch keine Dinosaurier. Und die Rhinozerosse haben sich geschickt versteckt.

Vier Tage sind wir mit Jeep, einem amerikanischen Paerchen und einer Britin, deren Freundlichkeit dem Ruf ihrer Kueche entsprach (Anm. J.F.), durch vier tansanische Nationalparks gekurvt. Mit dabei natuerlich der Ngorongoro Krater. Dieser Krater hat sich vor ganzganz vielen Jahren durch eine Bergimplosion gebildet und wird heutzutage von zahlreichen Tieren bevoelkert. Da die Kraterwaende sehr steil sind, bilden diese sozusagen ein natuerliches Gitter und damit kann man diesen Krater als riesigengrossen natuerlichen Zoo bezeichnen. Am besten hat uns aber der Tarangire Nationalpark gefallen. So haben wir uns Afrika vorgestellt: Weite Steppen, viele Baobabbaeume und viele Elefanten, Giraffen, Pumbas und Zebras.

Nachdem wir uns an die ganzen Tiere akklimatisiert hatten, ging es einen Schritt weiter in unserer Kilimanjarovorbereitung: ab auf den Mount Meru!

Drei Tage haben wir uns fuer die Besteigung dieses Bergs Zeit gegeben. Am ersten Tag wanderten wir drei Stunden durch den dicht besiedelten Regenwald des Arusha Nationalparks bis zur ersten Huette, vorbei an Bueffeln, Pumbas und Colobussen - das sind Affen, die eigentlich gerne ein Zebra waeren und sich darum schwarz-weiss anziehen.

Mit dabei war Bais, unser bewaffneter Ranger (Bueffel, etc), und ein franzoesisches Paerchen, das leider nicht ganz so fit war. Am zweiten Tag ging es auf 3500 Meter zur zweiten Huette und nach einer kleinen Pause zur Akklimatisierung gleich weiter auf den Little Meru (3800 Meter). Nach dem Little Meru hat sich das franzoesische Paerchen bereits zurueckgezogen und so ging es ein paar Stunden spaeter nur fuer Johannes und mich auf den "richtigen" Mount Meru. Trotz 6 Wochen Indien waren Johannes und ich erstaunlich fit und so konnte ich unsere Abmarschzeit um eine Stunde nach hinten verschieben... auf 2 Uhr morgens, oder wohl eher mitten in der Nacht!

Die ersten Stunden des Aufstiegs waren sehr angenehm, ging gemuetlich bergauf, zuerst noch durch Wald und dann naeherten wir uns langsam via einem Grat dem Meru. Bei fast Vollmond brauchten wir nicht einmal unsere Stirnlampen. Nur die letzte halbe Stunde war sehr anstrengend. Der Gipfel war bereits in Sichtweite, doch irgendwie wollte er einfach nicht naeher kommen. Um 6.50 Uhr hatten wir es dann geschafft. Belohnt wurden wir mit einem wunderschoenen Sonnenaufgang und einer Sicht auf den Kilimanjaro, der so von der Ferne ganz lieb und harmlos ausschaut. Leider war es auf dem Gipfel ziemlich kalt und so machten wir uns schon bald wieder an den Abstieg. Alles wieder runter zur ersten Huette auf 2500 Meter. Von der wurden wir "gerettet". Ja, richtig gelesen, gerettet, mit einem richtigen Rettungswagen (der seinen Titel aber nur deshalb verdient, weil man sich gerettet fuehlt, wenn man aussteigt; Anm. J.F. - der auf der Ladeflaeche und nicht auf dem geheizten Beifahrersitz Platz nehmen durfte). Das machen fast alle so, die sich nur drei Tage Meru geben. War auch gut so, meine Beine schmerzten die folgenden zwei Tage schon genuegend.

Zurueck in Arusha gab es zuerst eine heisse Dusche und ein feines Abendessen. Zwei Tage hatten wir Zeit, uns fuer den Kilimanjaro zu erholen. Doch von dieser Besteigung erzaehlt euch mein Gastreporter in Kuerze! Bis dahin, machts gut und besser und haltet die Ohren steif. Fuer uns heisst es jetzt erst einmal "Sansibar, oder der letzte Grund"!